Fanni - Ute Elisabeth Mordhorst
16316
post-template-default,single,single-post,postid-16316,single-format-standard,qode-social-login-1.0,qode-news-1.0,qode-quick-links-1.0,ajax_fade,page_not_loaded,,qode-theme-ver-12.0,qode-theme-bridge,wpb-js-composer js-comp-ver-5.4.7,vc_responsive
 
Geschichten von Ute Elisabeth Mordhorst

Fanni

Fanni

Fanni

Fanni

Mir ist selten ein Mensch begegnet, der sich derart konsequent seinen Launen und Stimmungen hingibt wie Fanni. Zwei Gesichter! Heute grüßt sie dich überschwänglich, morgen kennt sie dich nicht. Anfangs hatte ich enorme Schwierigkeiten mit ihrer Art. Jetzt nehme ich sie wie sie ist. Ich freue mich über die nette Fanni und versuche, mich über die muffige Fanni nicht zu ärgern. Zumindest ist sie authentisch.
Fanni ist eine Hundebekannte, kennengelernt habe ich sie vor einem Jahr auf einem meiner Spaziergänge im Park. Ich war neu in der Gegend. Wir trafen uns zufällig an einer Weggabelung. Fanni umarmte eine Buche. Von links tobte ein Beagle heran. Meine Rüdin hob an einem Nebenstrauch besagter Buche das Bein zum Willkommensgruß. Bilaterales Sich-beschnuppern. Fanni, indem sie die Buche weiterhin fest umschlungen hielt, schaute aus ihrer, wie ich fand unbequemen Position zuerst interessiert auf mich, dann auf mein John, meine Hündin. „Welcher Ursprungsfamilie entstammt das Pläsierchen?“ „Johns Stammbaum? Fünfzig Meter weiter. Bei der alten Eiche am Eingang des Parks.“ Zur Erklärung: Der Stammbaum meiner Hündin ist das, was anderen Rudeltieren ihre Stammkneipe. Es zieht sie immer wieder dahin. Ansonsten schaut sie selbstbewusst auf eine abenteuerliche Ahnenreihe aneinandergereihter Mixehen. Der Mischmasch macht’s!
Fannis Beagle-Hündin heißt übrigens Uschi. Sushi hätte ich interessanter gefunden…
Soweit zu der ersten Begegnung mit der netten Fanni. Zu der, die dir schon aus der Ferne zuwinkt und jubelt:„Hurra! Wie geht’s denn?“ Jener Fanni, die dir das Gefühl gibt, dass du sie interessierst. Die dich ein paar Schritte auf deinem Wald-und Wiesenweg begleitet, bei Wind und Wetter; die ihr Ohr neigt und überlegt, bevor sie dir antwortet. Die, wenn du sie fragst, auch gern was von sich beisteuert. Meistens etwas sehr Originelles.

Und jetzt zu der muffigen.
Fanni Zwei kennt dich nicht, sieht dich nicht, grüßt dich nicht. Sollte sie zufällig einen Blick auf dich werfen, ist das kein netter. Eher einer Richtung Anwurf, Vorwurf. Fanni Zwei always walks alone, nie ist sie in Begleitung, von Sushi weit und breit keine Spürnase, Sushi scheint keine Rolle zu spielen, nie eine gespielt zu haben in Fanni Zweis Leben. Fanni Zwei umarmt keine Bäume, ihre Hände hängen nicht an Buchenästen, sondern an Glasfiber-Stäben. Sie walkt, und zwar einsam und alleinsam.
Nach der ersten Begegnung mit Fanni Zwei, bei der sie grußlos an mir vorbei rauschte und mich missbilligend ansah, dachte ich noch, okay sie hat einen schlechten Tag. Einen sehr schlechten Tag, hat sie, dachte ich, pass auf, dass sie dir den deinigen nicht noch verschlimmschlechtert. Nach der zweiten Begegnung, bei der ich ausnahmsweise einmal ohne John unterwegs war und Fanni mich geflissentlich übersah, dachte ich, okay, so hundlos hat sie mich nicht erkannt. Hundehalter ohne Hund. Das ist, als wäre man ohne Gesichtserkennung unterwegs. Bei der dritten Begegnung mit Fanni Zwei umarmte ich einen Baum und zwinkerte ihr verschwörerisch zu, was sie mit einem verächtlichen Hochziehen der Nase quittierte. War sie die einzig wahre Baumumarmerin, oder was? Und tschüß. Big Hugs! Nach der fünften oder sechsten Begegnung der unfreundlichen Art ignorierte ich sie fortan wie sie mich. Es blieb mir ein Rätsel, wie die Frau so wechselhaft sein konnte. Dass ich Fanni, wenn ich sie in ihren netten Schüben traf, nie direkt auf ihre dunkle Seite angesprochen habe, wundert mich im Nachhinein. Vielleicht lag es daran, dass wir dann doch nur Hundebekannte waren und über das offizielle Du nie hinauskamen. Ich ging etwas auf Abstand und dachte mir meinen Teil.

Bis Frau von Dreyer neben mir auf der Hundewiese stand. Bis es Klick-klack machte und eine einsame Nordic-Walkerin auf dem Kiesweg heranstöckelte. Genau…
„Boston, hier!“, dröhnte Frau von Dreyer mit Stentorstimme. Und gedämpfter zu mir:„Nicht dass er der da wieder vor die Füße läuft“. Zu spät. Boston, der bis eben noch mit meiner John auf der Hundewiese getobte hatte, wurde von der da you-always-walk-alone mit einem verächtlichen, kleinen, nicht un-eleganten Sidestep aus dem Weg gekickt. „Unmöglich, diese Frau!“ So Frau von Dreyers Kommentar. „Und wieso walkt sie immer ohne Sushi?“, fragte ich. „Bitte?“„Ja, wieso läuft sie immer ohne Hund?“„Adelheid hat keinen Hund.“
„Adelheid? Wieso denn…, Adelheid?“ „Wieso nicht? Ist doch nur gut für die Hunde.“ „Nein, ich meine. Die heißt doch Fanni!“ „Fanni ist Adelheids Zwillingsschwester.“
„Das ist jetzt ein Witz, oder?“ „Nee.“ Frau von Dreyer sah mich ausdruckslos an. „In diesem Falle beliebe ich nicht zu scherzen“. „Und ich habe immer gedacht, eineiige Zwillinge seien sich so ähnlich.“„Bei Adelheid und Fanni trifft das nur auf ihr Äußeres zu.“

Seitdem kann ich Fanni wieder offener begegnen. Ihre Schwester ist kein Thema zwischen uns. Funny …oder?

© Copyright und alle Rechte auf Veröffentlichung bei Ute Elisabeth Mordhorst

Noch keine Kommentare vorhanden …

Die Kommentarfunktion ist für diesen Beitrag abgeschaltet. Ich freue mich aber auch über persönliche Rückmeldungen (siehe "Kontakt").