Es regnet
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Voll das wilde Leben. Ziemlich verrückte Geschichten.

Es regnet

Es regnet

Es regnet

Es regnet

Es regnet, es regnet, die Erde wird nass, sangen die Kinder und der Regenschirm stand zusammengeklappt in der alten Milchkanne im Flur und schaute sehnsüchtig auf das große Sprossenfenster. Lange, kleine Wasserfäden liefen die Scheibe hinunter, liefen zu neuen Wasserfäden zusammenliefen, liefen wie um die Wette und bildeten neue kleine Bachläufe. Sie ist ohne mich raus, die kleine flatterhafte Person, dachte der Regenschirm erstaunt. Eben war seine Halterin überstürzt aus dem Haus gelaufen. Fünf Minuten später hatte es begonnen zu schütten wie aus Kübeln. Jetzt wird sie pitschnass, dachte der Regenschirm. Dass sie sich man keinen Schnupfen holt.

Hinter dem Haus stand der Sonnenschirm im Garten und guckte bedripst. Dicke Regentropfen pladderten ihm auf den Kopf und klatschten auf seinen großen breiten Fuß. Es regnet, dachte der Sonnenschirm und sie hat nicht daran gedacht, mich zusammenzufalten und unter das Terrassendach zu stellen. Toll.

Die kleine Person huschte barfuß über das nasse Trottoir. Merkwürdige Erscheinung, eine Irre, nicht von dieser Welt, dachte der hochgewachsene Mann, der ihr entgegenkam. Um solche Leute machte er am liebsten einen Bogen. Der Mann, der einen breiten Filzhut auf dem Kopf trug und neben dem ein kleiner begossener Pudel trottete, wechselte auf die andere Straßenseite. Wie konnte mir dieser Fehler unterlaufen?, schimpfte die kleine Person, die tatsächlich etwas merkwürdig aussah, so durchsichtig, fast ätherisch. Na ja, und fahrig war sie auch. Und ohne Schuhe. Und auf dem Weg nach Haus. Sie hatte auf der Stelle kehrt gemacht, als der Platzregen eingesetzt hatte. Nun schloss sie die Tür zu ihrer Wohnung auf und eilte in den Garten, um den Sonnenschirm unter das Terrassendach zu stellen.

Als sie zurück im Hausflur war, zog sie den Regenschirm aus der Gießkanne. Wir gehen noch mal raus, sagte sie und trat vor die Tür und ließ den Regenschirm aufspringen. Weißt du, sagte sie, nachdem sie ein paar Schritte – übrigens wieder barfuß– gegangen war. Weißt du. Ich hatte dich nicht vergessen, ich hatte mich im Wetter geirrt. Stell dir vor. Im Wetter geirrt. Ich. Mich. Schlimm, oder? So etwas darf mir nicht passieren.
Das ist der Stress an deinem Arbeitsplatz, entgegnete der Regenschirm. Du bist wie ich. Auch du kannst dich nur entfalten, wo das Klima stimmt.
Morgen werde ich beim Sender kündigen, beschloss die kleine Wetterfee und nieste drei Mal laut und vergnügt.

© Copyright und alle Rechte auf Veröffentlichung bei Ute Elisabeth Mordhorst

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