Die Ampel - Ute Elisabeth Mordhorst
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Voll das wilde Leben! Ziemlich verrückte Geschichten.

Die Ampel

Die Ampel

Die Ampel

Die Ampel

 
Nanu, was wird denn das?, dachte die Ampel und schaute auf die Frau, die ihr Auto auf dem Wald-Parkplatz abgestellt hatte und nun nacheinander mit ein paar Gerätschaften angeschleppt kam. Eine Wandersfrau ist das nicht, murmelte die Ampel, während die Frau zunächst einen kleinen Schemel, dann eine Leinwand und schließlich einen Koffer mit Farben und Pinseln an ihren Platz trug. Oh, sie scheint sich hier niederlassen zu wollen. Ungewöhnlich, eine Malerin. Hier?, dachte die Ampel. Wieso das? Na, was weiß ich. Jedenfalls hat sie sich ein ruhiges Plätzchen ausgesucht, wenn es auch kein malerisches. Hauptsache sie stört mich nicht bei der Arbeit.

Die Ampel konzentrierte sich nun wieder auf die Straße. Holla, ein Brummi. Benziner, dachte sie, kommt mit circa neunzig Stundenkilometern angebraust. Hallo. Hier ist Tempo siebzig, mein Lieber, na gut, ich lass dich durch. Die Ampel stand aufrecht wie eine Verkehrspolizistin und schaute konzentriert geradeaus. Eine halbe Stunde verging, ohne dass ein weiteres Fahrzeug vorbeigekommen wäre. Toter Hase, wie immer um diese Zeit, dachte die Ampel. Plötzlich fiel ihr Blick auf die Leinwand der Malerin. „Oh!“, rief sie aus. „Das ist mal ein anderer Anblick als die ewig graue Landstraße. Wunderbar. Jetzt mischt die Frau gelb und rot. Hey, das wird orange. Ach. Wunderschön“.
Die Ampel geriet in Verzückung über den Einfallsreichtum der Künstlerin, solch gewagte Farbkombinationen hatte sie noch nie gesehen, nicht einmal im Herbst, wenn sich die Blätter der Bäume so wunderbar färbten. Dagegen arbeite ich doch mit sehr beschränkten Mitteln, dachte die Ampel. Gelb, grün. rot. Hey, wie wäre es, wenn ich zur Abwechslung auch noch in violett oder aquamarinblau oder in einem schönen neonpink erstrahlen würde? Da würden die Leute aber große Augen machen. Die Ampel lachte bei diesem Gedanken und wenn sie gutgelaunt war, wurde sie grün vor Freude. Die Malerin erhob sich. Sie nahm ihre Staffelei und den kleinen Schemel und trottete gedankenverloren auf die Straße zu, um auf der anderen Seite des Waldes nach Motiven Ausschau zu halten.

Ein Motorrad kam herangesaust. Die Malerin setzte verträumt den Fuß auf die Fahrbahn. „Stopp!!!“, brüllte die Ampel und sprang blitzschnell von grün auf rot. Reifenbremsen quietschten. Die Fahrbahn roch nach verbranntem Gummi. Die Malerin schreckte auf und blieb abrupt stehen. Gelb habe ich mir gerade mal gespart, dachte die Ampel. Da musst du schnell sein, wenn du diesen Job machst, dachte sie und atmete erleichtert durch. Ich denke, drei Farben sind für mich genug.
 
 © und alle Rechte auf Veröffentlichung bei Ute Elisabeth Mordhorst.

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